Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Wenn ein Blog zu Ende geht …

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Vor einiger Zeit fragte ich, wo denn all die Blogger geblieben sind?

Nur wenige werden sich noch an all  die guten Blogs erinnern, die da waren (im Bereich Dokumentarfotografie).

Irgendwann hatten die Autoren sich leergeschrieben, weil es eben nicht jeden Tag etwas Neues gibt. Denn im Gegensatz zu einem Nachrichtensender, der jeden Tag Neuigkeiten hat, ist ein Blog ursprünglich eine persönliche Reflexion – auch einer persönlichen Entwicklung.

 

Neuheit ist der Feind des authentischen Blogs

Da der Mensch so angelegt ist, daß er manchmal Wochen oder Monate braucht, bevor sich etwas entwickelt hat und das dann auch textlich thematisiert wird, ist ein guter Blog nicht täglich neu.

Wer aber kommerziell mit Werbung beim Bloggen arbeitet, für den ist Neuheit das Geschäft. Dann muß der Blog täglich voll mit Texten und Fotos sein, egal wie.

Deshalb schmieren gute Blogger manchmal ab.

Wer es anders macht und seine persönliche Qualität dabei durchhält und sich weiterentwickelt, hat es sehr schwer.

Der Lohn ist Weiterentwicklung.

Der Preis ist die fehlende Werbung.

Der Gewinn sind nicht mögliche Kommentare sondern die eigene Zufriedenheit.

 

Das Ende kann ein Anfang sein

Es gibt sehr wenige Blogs zur Dokumentarfotografie, die über die eigenen Fotos des Bloggers hinausgehen – im deutschen Raum fast keine, im englischsprachigen Raum wenige.

 

David Campbell

Nun also David Campbell.

„Ich bin bei einem großen Umdenken was ich mit diesem Blog zukünftig mache…“

Es ist die Erfahrung nach einigen Jahren des Bloggens.

Den Blog muß man immer wieder neu erfinden, wenn man dabei authentisch bleiben will.

 

Michael Mahlke

Fotomonat fing mit Fototheorie an. Cartier-Bresson war viele Jahre meine Leitfigur. Dann merkte ich, daß ich immer mehr Dokumentarfotografie untersuchte und selbst machte. Dann nannte ich alles um in street62.de, weil ich merkte, daß ich immer mehr ich war. Doch auch da blieb ich nicht stehen sondern wanderte zwischen Eggleston und Moriyama hin und her. Weil ich vorrangig lokal fotografierte, merkte ich, daß nur eins nicht meins war. Die Fotografie spiegelte auch mich. So ordnete ich die Themen und meine Wege neu unter der Domain dokumentarfotografie.com. Daraus entstanden artlens und streetlens und später noch frontlens. Aber der Domainname war zu lang und so kehrte ich zurück unter das Dach von fotomonat, weil mir klar wurde, daß dieser Begriff am besten zeitliche Einordnungen und Themen zusammenhält. Art, Street und Front wurden die Bereiche, die mich beschäftigen. Diese bis heute mindestens dreifache Veränderung wäre kommerziell nicht möglich gewesen. Sie spiegelt die persönliche Entwicklung wieder.

Ich habe dabei zuerst die Reisefotografie und später dann das lokale Fotografieren abgetrennt und separat praktiziert und Teile davon zurückgeholt in die Welt von Art, Street und Front. So lebte ich Theorie und Praxis der Fotografie unter meinen Bedingungen.

Hinzu kommt, daß ich immer wieder Redakteure gewinnen konnte für Fachthemen. Aber jeder will nur über das schreiben, was ihm wichtig erscheint, also eigene Erfahrungen im Umgang mit Fotografie analog, digital oder sozial. Das ist dann auch gut so. Und deshalb gibt es hier nicht täglich Neues.

 

Wolfgang Steiner

Vor einiger Zeit bedauerte ich, daß Wolfgang Steiner seinen Blog einstellte. Gottseidank hat er sich dann entschlossen, einen Teil wieder zu zeigen.

Die fehlende Archivierung ist nämlich das nächste Problem. Nichts ist dann mehr auffindbar. Das ist anders als mit Büchern. Wenn ein Buch ausverkauft ist, dann kann man sich das wenigstens ausleihen. Gelöschte Blogs sind meistens total weg, zumal die illegalen Archive wie wayback und co nur sehr eingeschränkt nutzbar sind als kollektives Gedächtnis.

Suchmaschinen wie google sind zudem bei ihren Ergebnissen nicht an guten sondern vorrangig an aktuellen Ergebnissen interessiert und sie finden nur das, was sie dürfen und sollen und was ins Konzept paßt.

Das ist also auch keine Lösung.

 

Felix Koltermann

Felix Koltermann ist dazu übergegangen die Artikel seines Blogs als Buch anzubieten. So bleibt wenigstens etwas, sollte er seinen Blog einmal einstellen.

 

Wenn ein Blog lebt

Meine Erfahrung ist, ein Blog als Spiegelung der eigenen Entwicklung und als Ausdruck reflektierten Erlebens, der lange bleibt, muß sich immer wieder neu erfinden. Das geht nur, wenn der/die BloggerIn die eigene Entwicklung im Blog spiegelt und daher alles dabei fließt. Das ist schwer und deshalb ist das Bloggen spannend aber eben nicht endlos.

Insofern ist der gute Blog des digitalen Zeitalters ein Widerspruch zur digitalen Zeit: während der Blogger nur authentisch sein kann, wer er/sie nicht ununterbrochen schreibt, verlangt der Digitalismus die ununterbrochene Neuheit – selbst wenn im Text nichts steht, Hautpsache täglich neu.

So sind die Perlen unter den Blogs rar und in der Dokumentarfotografie kaum zu finden.

Und man weiß nie wie lange sie zu sehen sind – das gilt ehrlicherweise auch für fotomonat.

 

Welchen Ersatz gibt es?

Campbell verweist aktuell auf seinen Twitter-Account. Andere geben kurze Infos auf Facebook weiter. Das ist sicherlich eine Chance, auf Inhalte aufmerksam zu machen. Aber in meinen Augen ersetzt dies keinen Blog, der inhaltlich längerfristig ein Arbeitsfeld und Entwicklungen darstellt. Das geht schon durch die fehlende Einflußnahme auf die Anordnung der Inhalte bei Twitter und Facebook gar nicht.

Ein guter Blog ist letztlich nur durch eine andere Webseite ersetzbar, die noch mehr bietet und Bloggen als systematische elektronische Gesamtdarstellung mit passendem Layout, Texten und Grafiken versteht.

 

 

 

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One Comment

  1. Interessante Überlegungen. Ich denke dass es noch eine Reihe weiterer wichtiger und gut durchdachter Blogs gibt. Im deutschsprachigen Raum gilt das z.B. für Andreas Herzaus Blog http://blog.andreasherzau.de/ Interessant ist sein Weg, unter dem Titel „Schnipsel“ monatliche Beiträge zu posten.

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