Foto: Michael Mahlke

Foto: Michael Mahlke

Kaufen Sie bis 2016 keine neue Kamera

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Haben Sie in den letzten 2 Jahren eine neue gute Digitalkamera gekauft?

Dann sollten Sie in den nächsten zwei Jahren keine neue Kamera kaufen oder jetzt bei einem Schnäppchen zuschlagen und dann zwei Jahre warten.

Warum?

Dafür gibt es fotografische, finanzielle und technische Gründe.

Beginnen wir mit den finanziellen Argumenten.

Wer beispielsweise eine Panasonic FZ-200 gekauft hat im letzten Jahr, der hat eine Kamera, die erstklassige Fotos macht, die einen erstklassigen elektronischen Sucher hat und die von 599 Euro im Laden auf unter 399 Euro im Laden im Preis gesunken ist. Das bedeutet, es ist eine Kamera, die in einem Jahr um mindestens 30 Prozent billiger wurde. Noch ein Jahr und der Preis ist wahrscheinlich um insgesamt 50 Prozent gesunken.

So ist das eigentlich mit allen Kameras. Damit lohnt sich finanziell der Kauf einer aktuell neuen Kamera nicht. Dieses eine Beispiel zeigt, daß das Warten heute viel Geld sparen kann beim Kamerakauf. Und dabei ging es um Neuware.

Betrachten wir nun die technischen Argumente.

Gerade wurden die neuen Kameramodelle in Las Vegas für 2014 bekanntgegeben. Kompaktkameras von Panasonic haben jetzt einen elektronischen Minisucher. Der Sucher ist kleiner als in Modellen von 2004  wie zum Beispiel in der Nikon Coolpix P8400 aber dafür ist die Auflösung niedriger als damals.

Auf gut Deutsch hat sich von 2004 bis 2014 bei den neuen hochpreisigen Kompaktkamera-Modellen beim Sucher fürs Auge so gut wie nichts getan. Technisch ist besseres möglich wie die FZ200 desselben Unternehmens zeigt.

Hinzu kommt der Produktionszyklus. Mindestens eine Kamerageneration wird pro Jahr erneuert, manchmal auch zwei Mal pro Jahr. Die technischen Fortschritte sind oft Modefortschritte, die auf das Fotografieren an sich keinen Einfluss haben. Aktuell kommen hier Konkurrenz- und Kombinationselemente für die Doppelnutzung mit den Smartphones als Schwerpunkt vor.

Beenden wir die Betrachtung nun unter fotografischen Gesichtspunkten.

Glauben Sie wirklich, daß sie heutzutage mit einer neuen Kamera fotografisch besser sind als mit dem Modell vom letzten Jahr? Brauchen Sie ihre Fotos für Fineartprinting oder fürs Web? Mischen Sie mit digitalen Filtern? Machen Sie die guten Fotos oder ihre Kamera?

Was will ich mit diesen Fragen sagen?

Ganz einfach, Sie brauchen keine neue Kamera, Sie brauchen Zeit für ihre aktuelle Ausrüstung.

Und damit komme ich zum Punkt.

Wenn Sie bis 2016 keine neue Kamera kaufen und ihre aktuellen Kameras nutzen, dann werden Sie bemerken, daß Sie sich mehr aufs Fotografieren konzentrieren.

Sie werden merken, daß eine Kamera nur ein Arbeitsinstrument ist.

Und wenn ihre Kamera mal nicht optimal sein sollte, dann werden sie merken, daß Sie dennoch damit auf einmal kreativ die Situation irgendwie hinkriegen.

Und daran werden Sie sich erinnern, das wird Spaß machen und das wird entscheidend für ihre weitere Entwicklung sein.

Und wenn Sie 2016 noch fotografieren, dann werden Sie feststellen, dass mittlerweile drei bis fünf neue Kameragenerationen auf den Markt gekommen sind, ohne dass sie deshalb schlechte Fotos gemacht hätten.

Im Gegenteil.

Sie werden sich dann fragen, ob sie wirklich etwas Neues brauchen und wenn es so sein sollte, dann werden Sie auch wissen, was es sein muß.

Dann könnte es auch die Generation von Kameras sein, die schon wieder überholt ist und dann wäre sogar noch ein Schnäppchen drin.

Wenn Sie sich nun diese Zeilen noch einmal anschauen und zurückblicken, dann merken Sie, es ist besser und billiger, keine neue Kamera zu kaufen.

Dabei ist weniger dann mehr.

Leider führen solche Artikel wie dieser dazu, daß die Kamerahersteller bei mir keine Werbung schalten. Daher sollten Sie sich fragen, ob diejenigen, die Werbung von Kameraherstellern haben und Kameras testen das auch so sehen wie ich. Das hat aber umgekehrt dazu geführt, daß ich hier mehr über die Anwendung und die sozialen Zusammenhänge publiziere statt über die technischen Details. Und wenn ich kein Markenbotschafter werde, dann bin ich doch mein eigener Botschafter zum Thema Fotografie und Lebenszeit.

 

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12 Comments

  1. Hallo Herr Mahlke,

    RECHT HABEN SIE!
    Auch bei ständig neuen Modellveröffentlichungen: das Bild wird immer noch hinter(!) der Kamera geschossen – so liegt der Grund für die aller-meisten schlechten Bilder nicht in sondern – ebenfalls – hinter der Kamera.

    In diesem Sinne…
    Marc Hendricks

  2. „Gerade wurden die neuen Kameramodelle in Las Vegas für 2014 bekanntgegeben. Kompaktkameras von Panasonic haben jetzt einen elektronischen Minisucher. Der Sucher ist kleiner als in Modellen von 2004 wie zum Beispiel in der Nikon Coolpix P8400 aber dafür ist die Auflösung niedriger als damals.

    Auf gut Deutsch hat sich von 2004 bis 2014 bei den neuen hochpreisigen Kompaktkamera-Modellen beim Sucher fürs Auge so gut wie nichts getan.“

    Der Sucher der LX7 hat eine Auflösung von 480.000 Pixeln, doppelt so viel wie in der Nikon von 2004. Und da EVFs in den letzten 10 Jahren drastische Sprünge bei Reaktionszeit, Dynamikumfang und Helligkeit gemacht haben, halte ich die Aussage, dass sich „so gut wie nichts getan“ habe, für sehr fragwürdig. Gerade bei *der* Technik ist es oberflächlich, sich nur diese Zahlenwerte anzusehen.

    Weiterhin finde ich die genannten Zeiträume sehr beliebig: Wer innerhalb der letzten 2 Jahre eine Kamera gekauft habe, soll entweder bereits jetzt (nach 2 Jahren), oder erst 2016 (nach 4 Jahren) wieder eine Kamera kaufen. Das suggeriert, dass der Zeitraum von jetzt bis 2016 in irgendeiner Weise anders sei als jeder andere Zeitraum im Kameramarkt – und das ist nicht so. Zwischen 2014 und 2016 wird es genauso viel Fortschritt geben wie zwischen 2012 und 2014 oder 2016 und 2018.

    Allgemeiner und gültiger, aber leider weniger reißerisch wäre der Ratschlag, nur alle x Jahre eine neue Kamera zu kaufen. DXO hat in einem Artikel (ich finde ihn leider nicht mehr) mal geschrieben, dass die CMOS-Sensortechnologie in den letzten 10(?) Jahren oder so einen Leistungsfortschritt von einer Blende gemacht hätte, die RAW-Entwickler dagegen 2-3 so viel. Dass also die deutlich bessere Leistung bei hohen ISOs in erster Linie der Software, nicht der Hardware zuzuschreiben wäre. Anders gesagt: Was die Bildqualität angeht, passiert bei Kameras nicht so viel, und größere Sprünge bemerkt man nur nach mehreren Jahren. Insofern würde es sicher ausreichen, wenn man nur alle 4-5 Jahre eine neue Kamera kaufen würde – wenn es denn tatsächlich nur auf die Bildqualität und nichts anderes ankäme.

    Den Kommentar, dass Sie zu kritisch für die Kamerahersteller seien und das bei Blogs mit Werbung möglicherweise nicht so sei, finde ich übrigens … selbstbewusst. Könnte ja auch daran liegen, dass die anderen Blogs einfach relevanter sind und die Hersteller sich genau überlegen, wo sie Geld für Werbung ausgeben wollen.

    • Michael Mahlke says:

      Sie haben sich ja echt Gedanken gemacht. Die Wirklichkeit ist im Wortsinne Ansichtssache. Allerdings ist die Aussage mit der Werbung von mir aufgrund einschlägiger Erfahrungen gemacht worden.

      Welche Relevanz meinen Sie denn? Wenn Kamerahersteller nur mit Technikblogs zusammenarbeiten, dann sind die relevanter? Es geht doch um Fotos. Technik ist nur Mittel, mehr nicht. Daher finden sich hier Gedanken zur Wirklichkeit der Fotografie.
      Ihre Gedanken hier sind übrigens der lebende Beweis für meinen Ansatz.

      • Mit Relevanz meinte ich eigentlich schlicht die Größe der Zielgruppe, also die Pageviews. Ich kannte diesen Blog bisher nicht und weiß daher nicht, wie populär er ist. Der pauschale Kommentar „ich bin denen wohl zu unabhängig und lasse mich nicht kaufen wie die anderen“ hinterlässt halt schnell einen faden Beigeschmack. Zum Einen, da man die Hintergründe für das Fehlen von Werbung nicht kennt (oder höchstens Ihre Seite kennt), und zum Anderen weil der Angriff auf andere Blogs unprovoziert und keine feine Art ist. Unter Kollegen im Geiste sollte man nicht solche pauschalen Vorwürfe machen, finde ich.

        • Michael Mahlke says:

          Nun gut, hier gibt es viel Dokumentarfotografie. Wer sich dafür interessiert, der trifft hier irgendwann ein. Das reicht auch als Themenrahmen.

          Im übrigen ist ja dieser Artikel hier zum Kamerakauf ein Artikel über Technik unter fotografischen Gesichtspunkten. Und auch ihre Gedanken zu diesem Thema sind gut und ergänzen meine Gedanken hervorragend. Das Bild wird bunter und der Horizont weiter.

          Darum geht es mir und Ihnen anscheinend auch. Und nur weil diese Webseite eben so ist und nicht Technik ist, ist dieser gedankliche Dialog in dieser Form so möglich geworden. So hätten Sie woanders nicht geschrieben. Genau das ist es und das ist doch super! In diesem Sinne alles Gute!

  3. Michael Mahlke says:

    Dieser Artikel wird gelesen wie kaum ein anderer. Und das nach fast zwei Jahren. Hätte ich von jedem Leser einen Euro erhalten…
    Nun denn, mittlerweile habe ich einen Artikel geschrieben, der ermuntert, über einen Kamerakauf nachzudenken. Vielleicht ist die Zeit nun reif.
    Viel Spaß

    http://art.dokumentarfotografie.com/ist-die-zeit-reif-um-eine-neue-kamera-zu-kaufen/

  4. Dirk Wachtler says:

    Also, ich habe mir jetzt schon eine neue Kamera gekauft. Bei mir war es die Sony RX100, die aktuell so günstig ist, daß sie sich wirklich gelohnt hat. Ich finde überhaupt, daß hier ein bißchen mehr über Kameras geschrieben werden sollte.

    • Michael Mahlke says:

      Ja, ich habe auch überlegt, ich würde gerne etwas mehr über ein paar neue Kameramodelle schreiben, die gut fürs dokumentieren und reisen sind, aber kaufen lohnt sich für mich nicht, zumal ich auch nur einen Langzeittest über ca. 6 Monate machen würde, weil ich mit der Kamera ja echte Lenstrips und Aktivitäten machen würde. Aber die Kamerahersteller, bei denen ich angefragt habe, haben dieses Feld eher an PR-Agenturen ausgelagert und die haben wiederum ihre Spezies und ein Gedanke wie meiner mit Langzeittest kommt darin schon recht nicht vor. Mag sein, daß sie ihrem Auftraggeber keinen Ärger machen wollen.
      Als ich letztes Jahr nach deinem Kommentar mal eine PR-Agentur, die einen Kamerahersteller vertritt, dezidiert um eine Kamera gebeten habe, wurde mir diese zugesichert und ich hatte mich drauf eingestellt und sie schon eingeplant. Das hat ja auch Auswirkungen auf meine persönliche Lebensplanung und irgendwie fühlt man sich doch verpflichtet, die Kamera etwas mehr einzubeziehen. Als es soweit war kam die Kamera nicht und die PR-Agentur ging in Deckung. Da habe ich keine Lust drauf, weil diese Themen hier mit jeder guten Kamera umgesetzt werden können und die Kameras nicht neu sein müssen. Aber eine neue Kamera zwischendurch in der Praxis einzusetzen würde manchmal alles noch etwas bunter machen und wäre sicherlich fruchtbar für alle Beteiligten.

      • Michael Mahlke says:

        Zur Ergänzung. Diese Agentur hat stattdessen die Kamera einer Modebloggerin gegeben wie ich im Nachinein herausgefunden habe. Das ist Leben.

  5. Das Warten auf das neuere Modell ist so eine Sache: Wer ewig wartet, wird nie eine neue Kamera bekommen. Aber dass eine Kamera ein WiFi-Modul hat oder GPS (oder beides) ist noch lange keine Garantie dafür, dass sie gute Bilder macht. (Bilder macht ja überhaupt der Fotograf und nicht die Kamera, hat – glaube ich – Cartier-Bresson einmal gesagt.)
    Die technische Entwicklung der Digitalfotografie ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, aber mittlerweile so weit, dass man auch schon – relativ günstig – Gebrauchtgeräte kaufen kann, wenn man sich seiner eigenen Anforderungen bewusst ist – und nicht nur die neueste Technik als Spielzeug braucht.
    Ich versuche, nur dann Neuanschaffungen an Fotogerät ins Auge zu fassen, wenn sich in der praktischen Arbeit der Bedarf dafür herausstellt. Und dann kann es eventuell auch ein Gebrauchtgerät sein.

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